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Sprechen lernt man mit keiner App

Marcus Meyer · · Entwurf zur Diskussion

Die Stiftung Warentest hat über die Jahre Sprachlern-Apps getestet, und ein Satz zieht sich durch alle Berichte: Freies Sprechen und Formulieren lernt man mit keiner App.

Das Problem ist nicht die App

Vokabeln, Grammatik, Hörverstehen, das können die Programme gut, manche sehr gut. Was sie nicht können, ist die Situation, in der man wirklich spricht: Jemand fragt etwas, man hat keine Zeit nachzudenken, man sucht das Wort, man baut den Satz um, man wird verstanden oder nicht. Das ist keine Übung, die man antippt. Das ist ein Gespräch.

Ich habe selbst Jahre gebraucht, um zu merken, dass ich in drei Sprachen lesen konnte und in keiner ein Gespräch am Telefon führen. Nicht, weil mir Wörter fehlten. Weil mir der Raum fehlte, in dem Fehler nichts kosten.

Warum das Telefon

Ein Telefonat ist genau dieser Raum. Niemand sieht dich, es gibt keinen Bildschirm, nichts zum Festhalten. Nur Zuhören und Antworten. Wer zehn Minuten am Telefon Italienisch spricht, hat mehr geübt als in einer Woche Lektionen. Und wenn das Gegenüber sich an gestern erinnert, an den Satz, der schiefging, an das Wort, das du dreimal gesucht hast, dann übst du nicht irgendeinen Konjunktiv, sondern deinen.

Wir bauen dafür keinen Lehrplan. Das Material kommt aus deinem Leben: aus dem, was du erzählst, wo du hinfahren willst, was du dort sagen möchtest. Wer im Frühjahr nach Apulien fährt, übt im Winter das Bestellen, das Fragen nach dem Weg, den Small Talk mit der Vermieterin. Nicht Lektion 14.

Was das nicht ist

Kein Zertifikat, kein Sprachniveau, kein Vokabeltrainer. Wer das will, ist bei den Apps richtig, und die sind gut darin. Was wir wollen, ist etwas Kleineres und Schwereres: dass du den Mund aufmachst. Und dass jemand dranbleibt, bis du es tust.

Welche Sprache würdest du sprechen wollen, und wofür? Nicht welche du lernen solltest. Welche du sprechen willst. Schreib mir: post@soul2.me.