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Die Rente macht nicht einsam. Aber sie nimmt dir den äußeren Kreis.
Ich habe lange geglaubt, der Ruhestand sei der Moment, in dem Einsamkeit anfängt. Die Daten sagen etwas anderes, und das Andere ist interessanter.
Was die Zahlen sagen
Eine große europäische Langzeitstudie hat Menschen vor und nach dem Renteneintritt begleitet. Ergebnis: Auf lange Sicht sinkt das Gefühl, einsam zu sein, nach der Rente eher, als dass es steigt. Der Grund ist banal und schön zugleich: Die Leute tun mehr. Sie haben Zeit, und sie nutzen sie. Andere Studien finden gar keinen Effekt. Der große Bruch, den alle erwarten, findet in den Daten nicht statt.
Und trotzdem stimmt etwas an dem Gefühl, das viele im ersten Jahr beschreiben. Eine finnische Untersuchung hat genau hingeschaut, welche Beziehungen sich verändern. Der innere Kreis, Partner, Kinder, enge Freunde, bleibt. Der mittlere Kreis auch. Was schrumpft, ist der äußere: die Kollegin vom Nachbartisch, der Mann aus der Kantine, die Leute, mit denen man nie verabredet war und die man trotzdem jeden Tag gesehen hat. Von neun solcher Bindungen geht im Übergangsjahr im Schnitt eine verloren, und es kommt keine nach.
Warum das wichtig ist
Diese äußeren Bindungen sind die, die man nicht vermisst, bis sie fehlen. Sie tragen den Tag. Sie sind der Grund, warum man morgens aus dem Haus geht, ohne darüber nachzudenken. Kein Freund, keine Familie ersetzt sie, weil sie etwas anderes sind: Menschen, die man regelmäßig sieht, ohne es zu verabreden.
Und genau das erzeugt nur eine Form von Angebot: etwas, das wiederkommt. Ein Kurs, jede Woche, dieselben Gesichter. Ein Chor. Eine Wandergruppe am Donnerstag. Die Forschung zu Angeboten gegen das Alleinsein sagt das ziemlich deutlich: Menschen einmalig zusammenzubringen, ein Abendessen mit Fremden, ein Kennenlern-Abend, hat in den Studien keinen messbaren Effekt. Was wirkt, sind Gruppen, die sich wiederholen, am besten mit einer gemeinsamen Aufgabe.
Was wir daraus machen
Deshalb veranstalten wir nichts. Kein Dinner, kein Speed-Kennenlernen. Wir bringen dich zu dem, was es in deiner Stadt schon gibt und wöchentlich stattfindet, und wir bleiben dran: Bist du hingegangen? Wie war es? Gehst du wieder? Das ist unspektakulär. Aber es ist das, was den äußeren Kreis wieder füllt.
Stimmt das mit deiner Erfahrung überein? Was hat dir im ersten Jahr nach der Arbeit gefehlt, und was hat geholfen? Schreib mir: post@soul2.me. Ich antworte, und mit deiner Erlaubnis wird aus den Antworten der nächste Beitrag.